Kulturzentrum
11-17-25/04/2025 - 20:30 Uhr

Musical Dialogues 2026 – Voci libere

Mairania 857

Voci libere
Konzeption: Giorgio Loner
Kurator: Tadej Stolić, Musikwissenschaftler

Witz: Mitten in der Schlacht liegt eine Kompanie italienischer Soldaten im Schützengraben. Der Kommandant befiehlt: „Soldaten, zum Angriff!“ Der Befehl wird natürlich mit lauter, klarer Stimme gerufen, um den Lärm der Schlacht zu übertönen, aber niemand rührt sich. Er ruft ein zweites Mal, noch lauter: „Soldaten, zum Angriff!“, aber wieder rührt sich niemand. Und da in Witzen alles dreimal wiederholt werden muss, damit sich etwas tut, ruft er ein drittes Mal, noch lauter: „Soldaten, zum Angriff!“. Da hört man aus den Schützengräben einen Kommentar: „Ah, was für eine schöne Stimme!“

Diese kleine Geschichte beschreibt uns anschaulich den ganzen geheimnisvollen Kontext eines allgegenwärtigen und scheinbar selbstverständlichen Phänomens wie der menschlichen Stimme. Denn selbst eine verbal geäußerte Botschaft, die äußerst klar formuliert ist, kann sich leicht in der auditiven Interpretation verlieren, sodass die Bedeutung ignoriert wird und sich die Aufmerksamkeit vielmehr auf das Medium selbst konzentriert, nämlich auf die „schöne Stimme“. Die Soldaten geben so ihre soziale Funktion auf und verwandeln sich in Liebhaber des schönen Gesangs. Die ästhetische Schönheit der Stimme überlagert die Bedeutung des Befehls, und die Kunst besiegt den Krieg.

Auch unser Eintritt in die Gesellschaft beginnt mit dem Urschrei, der ersten Manifestation des Lebens, der bereits einen Zuhörer erfordert und die ersten Formen der Kommunikation auslöst. Gleichzeitig geht die Stimme über die bloße Kommunikationsfunktion hinaus und bietet sich, von ihrer Bedeutung befreit, dem Zuhörer als Quelle der Schönheit in der Musik dar. Der Gesang als primäres und höchstes Instrument des menschlichen Ausdrucks entwickelt sich und koexistiert mit den Musikinstrumenten, die versuchen, die Schönheit der menschlichen Stimme nachzubilden oder sie durch musikalische Begleitung zu umarmen.

In der heutigen Kakophonie der Stimmen der Natur, der Gesellschaft und der Medien scheint die Musik das Einzige zu sein, das noch in der Lage ist, eine Art Eindruck in unserer gestörten Aufmerksamkeit zu hinterlassen. Denn Musik erfordert Stille, aus der sie entsteht und in der sie nachhallt. Gesang und Musik drücken das aus, was Worte nicht ausdrücken können; sie sind somit eine Art ausdrucksstarke Hyperbedeutung. Denken wir nur an das musikalische Vergnügen, das länger anhält als die Darbietung selbst, da es gerade am Ende, kurz vor dem Schlussapplaus, seinen Höhepunkt erreicht. Und genau dieses Nachhallt hallt in der inneren Stimme wider und wird zum Wesen des angebotenen Programms. Die Musik also als Stimme der Stille, als Klagelied, das seine Inspiration aus der fernen Natur vergangener Rituale und Folklore schöpft: in der zeitgenössischen urbanen Version der verzerrten Tarantella von Maria Mazzotta oder in der Stimme des Dionysos im Lederjacke, Wasted Pido, bis hin zur futuristischen und dystopischen Spaltung der individualistischen Gesellschaft durch das Hip-Hop-Noise-Kollektiv Uochi Toki. Verschiedene Stimmen, die jedoch zu unseren inneren Stimmen sprechen werden. Ich lade euch daher ein, in einem kollektiven Ritual zu fühlen und zuzuhören, das darauf abzielt, den Lärm des Alltags zu übertönen und uns durch den Gesang zu befreien.

Kulturzentrum: Eintritt frei. Begrenzte Plätze, Reservierung empfohlen: 0473 230128 – info@mairania857.org
Casablanca: Eintritt mit Mitgliedskarte: 18,00 Euro – Begrenzte Plätze, Reservierung empfohlen: 0473 230128 – info@mairania857.org

 

Maria Mazzotta – Onde

Wasted Pido

3. Veranstaltung
Samstag, 25. April 2026 – 20:30 Uhr
CASABLANCA – Meran, Passeiergasse 29

UOCHI TOKI (Elektronik – Noise – Spoken Word – Rap)

Das historische Rap-Duo, bestehend aus Matteo „Napo“ Palma und Riccardo „Rico“ Gamondi (Texte der erste, Beats der zweite), ist seit dem fernen Jahr 2002 eine der bedeutendsten historischen Größen der italienischen Independent-Rap-Szene. Längst sind Uochi Toki nicht mehr nur sie selbst, sondern das Ergebnis von Begegnungen und Einflüssen. Angefangen bei den Erfahrungen mit den zahlreichen Ausgaben des „Gara Delle Batterie Elettroniche“ bis hin zum von Rico gegründeten Label Light Item hat sich der systemische Aspekt von Klang und Text dank ihrer Forschungsarbeit und ihres Dialogs mit denen, die Elektronik und Texte in einer „Bedroom“-Dimension komponieren, nach und nach verstärkt. Das Duo ist nicht (nur) eine solipsistische Handvoll Visionäre, sondern Teil eines verborgenen und diskontinuierlichen Netzwerks, dessen Zentrum sie, um ehrlich zu sein, nicht einmal bilden. Um diese Idee einem Publikum zu vermitteln, das zunehmend von Referenzfiguren geblendet ist, haben Uochi Toki begonnen, auf der Bühne diese kollektive Dimension zu zeigen und andere Stimmen und Klänge aus dem großen Wald mitzubringen, den die extrem kurze Aufmerksamkeitsspanne nicht zu erkunden vermag. Bei ihrem Konzert könnt ihr davon ausgehen, einer Jam-Session beizuwohnen, einem Noise-Musical, einer Mischung, bei der man nicht kommt, um seinen Lieblingssong zu hören, sondern um ungewöhnliche Klänge zu erleben.

Riccardo Gamondi Rico – Elektronik
Matteo Palma Napo – Stimme
Mrs Bhutan – Stimme